An der IDEM, die in Kooperation zwischen dem Deutschen Behindertensportverband (DBS) und dem Deutschen Judo-Bund durchgeführt wurden, beteiligten sich in diesem Jahr insgesamt 50 Judoka aus neun europäischen Nationen.
Wirklich Pech hatte das italienische Nationalteam, das einen Tag zuvor aufgrund des Verdi Streiks an den Flughäfen nicht anreisen konnte und leider kurzfristig absagen musste.
Zum zweiten Mal wurde die Veranstaltung im neuen olympischen Wettkampfformat ausgekämpft, das bis zu den Paralympics 2024 in Paris gilt. Dieses kennt nur noch zwei Wettkampfklassen in getrennten Wettbewerben:
J1 für blinde Judoka (vorher B1) und J2 für sehbehinderte Judoka (vorher B2, bis 3 % Sehvermögen).
Klassifizierte B3 Judoka (3-9 % Sehvermögen) können zukünftig nicht mehr an den paralympischen Judowettkämpfen teilnehmen.
Als weitere Maßnahme wurden die sieben olympischen Gewichtsklassen auf jetzt nur noch vier reduziert. Para-Judoka kämpfen nur noch in den Gewichtsklassen
Männer: -60 kg, -73 kg, -90 kg und +90 kg
Frauen: -48 kg, -57 kg, -70 kg und +70 kg.
Männliche Judokämpfer in den bisherigen Klassen bis 66 kg, bis 81 kg und bis 100 kg müssen sich nun entscheiden: Nehmen sie zukünftig sechs bis 10 kg ab, um eine Klasse tiefer zu kämpfen oder nehmen sie entsprechend zu, um überhaupt eine Chance in der höheren Gewichtsklasse zu haben. Gleiches gilt für die Frauen in den früheren Gewichtsklassen bis 52 kg, bis 63 kg und bis 78 kg.
Von dieser Neuregelung ist auch Isabell Thal vom Budoka Höntrop betroffen. Die 23-jährige Studentin der Sportwissenschaften, die zum ersten Mal im Para-Judo an den Start ging, kämpft eigentlich in der 52 kg-Klasse. Für die Meisterschaft musste Isabell ein wenig abnehmen und startete in der Klasse bis 48 Kilogramm. Im vergangenen Jahr stand Thal noch auf Skiern bei der Para Ski alpin-WM in Lillehammer und nicht auf der Judomatte. Nun erlebte sie ihre Premiere bei der IDEM im Para Judo. Vielleicht lag es daran, dass sich Isabel gegen die frühere Paralympicssiegerin und erstmals für die Schweiz startende Carmen Brussig noch nicht durchsetzen konnte und am Ende den 2.Platz belegte. Bundestrainerin Carmen Bruckmann war dennoch mit der Leistung von Isabell zufrieden und sieht für die NRW-Athletin eine klare Perspektive für die Paralympics 2024 in Paris.
Paris 2024 kommt für die zweite NRW-Starterin Finnja Stiller von Judoka Rauxel sicher noch viel zu früh, was auch an ihrem jungen Alter liegt. Welches Talent in der jungen Dame steckt, zeigt die Nachwuchskämpferin aber schon heute. Mit erst 11 Jahren wurde Finnja in Heidelberg Internationale Deutsche Meisterin im Wettbewerb U15 in der Klasse bis 57 kg.
Finnja fiel der Bundestrainerin bei einem „Sichtungslehrgang“ im November 2022 auf und wurde von ihr zur Meisterschaft nach Heidelberg eingeladen.
Wenn Finnja die augenärztliche Registrierung zu den Wettbewerben der Sehgeschädigten in der Klasse J2 schafft, wächst hier ein großes Talent heran, das bei den Paralympischen Spielen 2032 in Brisbane (Australien) mit einer echten Medaillen-Perspektive an den Start gehen könnte.