Erste deutsche Goldmedaille überhaupt bei den 6. Global Games für ID-Sportler in Vichy

Victor Gdowczok gewinnt bei den Global Games in Vichy (Frankreich) die erste deutsche Goldmedaille überhaupt.

© Wolfgang Janko

Vom 4. – 10. Juni 2023 veranstaltete der internationale Sportverband für Menschen mit einer geistigen Behinderung (VIRTUS) seine Weltspiele in Vichy (Frankreich). Die Global Games fanden in diesem Jahr zum 6. Mal statt.

Ein Vorläufer der Global Games wurde bereits 1989 in Schweden durchgeführt. Mit Aufnahme der geistig Behinderten in das paralympische Programm 1996 stellte VIRTUS die Spiele jedoch ein, weil damit die Paralympics zum höchsten Weltturnier für ID-Sportler wurden.

Unterstützt wird das ID-Judo vornehmlich von den Landes-Fachverbänden, sowohl von den Landes-Judo als auch von den Landes-Behindertensportverbänden. Als vorbildlich kann die Förderung in Nordrhein-Westfalen angesehen werden. Das ist auch der Grund, warum sich das ID Judo hier besonders gut entwickelt.

Um an den Global Games teilnehmen zu können, benötigen alle Sportler eine Registrierung auf der internationalen Master Liste von Virtus, die wiederum mit einigen Kosten verbunden ist. Um die geistige Behinderung zu überprüfen, müssen alle Athleten sich einer psychologischen Untersuchung unterziehen, lediglich bei Sportlern mit einem Down-Syndrom reichen medizinischen Atteste. Das Nordrhein-Westfälische Dan-Kollegium hat dankenswerterweise die nicht unerheblichen Registrierungs-Gebühren für unsere Vichy-Starter übernommen.

Dennoch gingen aus Deutschland nur Down-Judoka an den Start. Diese kämpfen grundsätzlich in der Wettkampfklasse II2 (intellectuell impaiment Stufe 2).

Aus Nordrhein-Westfalen starteten mit Valentin Freitag aus Leverkusen und Ben Musaeus aus Hückeswagen die beiden Finalisten der Deutschen ID-Meisterschaften in der Klasse bis 73 kg und in der Klasse bis 81 kg kämpfte Victor Gdowczok aus Köln. Vierte Starterin im deutschen Quartett war Carolin Anzinger aus München, die in der Klasse bis 52 kg antrat.

Da noch nie ein deutscher Athlet bei den bisherigen sechs Global Games eine Medaille gewonnen hat, gingen wir ID-Judoka fest davon aus, diesen Bann in Vichy durchbrechen zu können.

Bei den Global Games finden die Wettbewerbe für alle 12 Sportarten in den drei immer gleichen Wettkampfklassen statt:

Level II1 für motorische starke ID-Sportler
Level II2 für motorische schwächere ID-Sportler und für Athleten mit Down-Syndrom
Level II3 für Sportler mit Autismus ohne geistige Behinderung.

Es sieht wohl so aus, dass diese drei Wettkampfklassen vom Internationalen Paralympischen Komitee (IPC) auch für die Paralympics 2024 in Paris akzeptiert werden. Voraussetzung für einen Startplatz bei den Global Games sind die Virtus-Registrierung als ID-Athlet oder Autist und der Eintrag auf die Internationale Master-Liste von VIRTUS.

Der erste Tag schloss für die Sportler mit einem gemeinsamen Training ab, um die korrekte Einteilung der Wettkampfklassen zu überprüfen. Für alle anwesenden Trainer folgte noch das übliche Meeting hinsichtlich der Wettkampfgestaltung der Folgetage.

Der anschließende Wettkampftag war geprägt von Einzelkämpfen in allen drei Wettkampfklassen. An diesem Tag passte für den 33-jährigen Victor Gdowczok alles, so dass er ein wenig überraschend tatsächlich die erste Goldmedaille für Deutschland erkämpfte. Dabei setzte sich Victor in der Wettkampfklasse II2 bis 81 kg zunächst überraschend gegen seinen 13 kg schwereren französischen Gegner Bastien Ritter mit einem vorzeitigen Sieg durch. Aber auch im Finalkampf hatte der höher eingeschätzte Pole Adam Wisniewski an diesem Tag gegen Victor keine Chance. Mit einer Eindrehtechnik und einem anschließenden Haltegriff beendet Victor den Kampf vorzeitig und gewann damit die Goldmedaille.

Sehr gut lief es auch in der Wettkampfklasse II2 bis 73 kg. Hier konnte der deutsche Ben Musaeus aus Hückeswagen nach einer knappen Finalniederlage gegen den Polen Marcin Lisczcz Silber gewinnen. Valentin Freitag aus Leverkusen erreichte in der gleichen Wettkampfklasse die Bronzemedaille.

Eine zweite Goldmedaille gab es an diesem erfolgreichen Tag noch für Carolin Anzinger aus München, die in der Wettkampfklasse II2 bis 52 kg den ersten Platz belegte und damit das zweite deutsche Gold gewann. So ist es den deutschen Judoka zu verdanken, dass Deutschland endlich im ewigen Medaillenspiegel der Global Games auftaucht. Das war nur möglich, weil Judo nun offizielle Sportart bei VIRTUS ist.

Das ist auch ein Verdienst des ID-NRW-Vertreters, Dr. Wolfgang Janko, der bereits vor mehr als 20 Jahren bei VIRTUS, damals noch INAS, um Aufnahme der Sportart Judo gebeten hatte. Heute gehört er zur sechsköpfigen Judo-VIRTUS-Kommission, die nach der 2. ID-Judo-Europameisterschaft im Jahr 2000 eingerichtet wurde. Seit dieser Zeit ist Judo endlich auch ordentliche VIRTUS-Sportart.

Wir freuen uns, dass neben Judo auch Reiten mit drei und Karate mit einem deutschen Athleten bei den Global Games vertreten war.

Fotos & Text: Wolfgang Janko