Am 21.11.24 fanden im niederländischen Venray die Europameisterschaften für Judoka mit geistigen Einschränkungen statt. Die Europäische Judo-Union (EJU) übernahm in diesem Jahr die von VIRTUS, dem Weltsportverband für Menschen mit geistigen Einschränkungen, genutzte Bezeichnung „II-Judo“ (Intellectual Impairment), anstelle von „ID-Judo“ (Intellectual Disabled).
Für die Europameisterschaft hatten sich 47 Judoka aus 11 Nationen angemeldet. Die vergleichsweise geringe Teilnehmerzahl ist darauf zurückzuführen, dass die EJU die Ausschreibung der EM sehr kurzfristig veröffentlicht hat, wodurch vielen Sportler*innen am Ende des Jahres die finanziellen Mittel für die Teilnahme fehlten. Unter den 47 gemeldeten Judoka waren auch 8 aus Deutschland. Aus Nordrhein-Westfalen trat jedoch nur Patrick Barendonk vom Budokan Bocholt an.
Wettkampfmodus und Patricks Weg zu Bronze
Gekämpft wurde in zwei Wettkampfklassen, wie bereits bei früheren Welt-, Europa- und internationalen Deutschen Meisterschaften. Jede Wettkampfklasse war in fünf Gewichtsklassen unterteilt. Der Wettkampfmodus nach dem IJF-System brachte für Patrick in seiner Gewichtsklasse bis 66 kg eine erhebliche Herausforderung mit sich. Gleich in seinem ersten Kampf traf er auf den amtierenden Welt- und Europameister sowie späteren Sieger, Thomas Mawdsley aus Großbritannien.
Patrick startete stark in den Kampf und konnte einige technische Vorteile erkämpfen, musste sich jedoch letztlich der Überlegenheit seines Gegners geschlagen geben und verlor vorzeitig durch Ippon. Das neue System erlaubte ihm jedoch noch die Chance, um Bronze zu kämpfen.
Im kleinen Finale traf Patrick auf den Ungarn Alex Leimsider. Mit einer dominanten Leistung während des gesamten Kampfes setzte Patrick seinen Gegner unter Druck und beendete den Kampf vorzeitig mit einer Wurftechnik. Damit sicherte er sich die Bronzemedaille – ein großartiger Erfolg für den Athleten aus Nordrhein-Westfalen.
Zukunftsperspektiven: II-Judo bei den Paralympics?
Während der Europameisterschaft fand ein Gespräch mit Vertreter*innen der EJU, darunter die neue Vizepräsidentin Kristiina Pekkola sowie Marina Draskovic und Alessandro Comi, statt. Die EJU-Vertreter*innen erklärten, sie würden den Kontakt zu VIRTUS suchen, um II-Judo den Weg zu den Paralympics zu ebnen.
Eine Unterstützung durch die EJU ist dringend erforderlich, da die ID-Judoka vermutlich keine Hilfe vom Deutschen Behindertensportverband (DBS) erhalten werden. Hintergrund ist die Sorge der Para-Judoka (Judoka mit Sehbehinderungen), dass sie möglicherweise aus dem paralympischen Wettkampfprogramm gestrichen werden könnten, wenn ID-Judo Teil der Paralympics würde.
Ein gemeinsames Auftreten beider Sportarten wäre ein bedeutender Schritt und würde die Vielfalt der Paralympischen Spiele bereichern. Es bleibt zu hoffen, dass sich langfristig eine Lösung finden lässt, die den Interessen aller Athlet*innen gerecht wird. Ein gemeinsamer Weg wäre ein starkes Zeichen für Inklusion und Vielfalt im Judosport.
Bericht & Fotos: Wolfgang Janko