Er wirkte fast schon einsam auf seiner Strecke über 400 Meter: Johannes Floors lief allen davon, sprintete ins Ziel und riss die Arme nach oben: 45,78 Sekunden. Weltrekord. Floors ist mit seinem zweiten Weltrekord bei der Para Leichtathletik-Weltmeisterschaft die Benchmark aller Prothesensprinter. Wenige Tage zuvor hatte er über die kürzere 100 Meter in der Startklasse T64 bereits seinen ersten WM-Titel eingefahren. Sein Leverkusener Vereinskollege Felix Streng wurde über die 100 Meter Dritter und gewann Bronze.
Allerdings ist Floors nicht der einzige Doppel-Weltmeister von Dubai. Seine Vereinskollegin vom TSV Bayer 04 Leverkusen, Irmgard Bensusan, freute sich nach dem Gold über 200 Meter auch über den Spitzenplatz über die kürzere 100 Meter Distanz in der Startklasse T64.
Bereits seine fünfte Goldmedaille sicherte sich Markus Rehm. Nach 2011 in Christchurch, 2013 in Lyon, 2015 in Doha und 2017 in London ist Rehm mit einer Weite von 8,17 Metern erneut Weltmeister im Weitsprung in der Startklasse T64. Insgesamt ist es seine 16. internationale Goldmedaille. Im gleichen Wettkampf verpasste Felix Streng um einen Zentimeter seine zweite Bronzemedaille und wurde Vierter, was ihm einen Quotenplatz für Tokio 2020 sicherte.
Mit einer Weite von 6,90 Meter und seinem ersten Weltmeistertitel im Weitsprung krönte Léon Schäfer seine starke Jahresbilanz in der Startklasse T63. Schäfer blieb zwar unter seinem eigenen Weltrekord von 6,99 Metern, den er erst im Sommer im Rahmen der Bayer Classics in Leverkusen aufstellte, ließ die Konkurrenz aber deutlich hinter sich. Über die 100 Meter verpasste Schäfer nur zum zwei Hundertstel sein zweites WM-Gold und gewann Silber.
Zum dritten Mal Weltmeister wurde Birgit Kober. Die in 2019 zur BSG Bad Oeynhausen gewechselte Kugelstoßerin stieß die Kugel auf 11,19 Meter und damit deutlich weiter als die Konkurrenz. Im gleichen Wettkampf jubelte auch Juliane Mogge vom LC Adler Bottrop. Mogge wurde Vierte, was ihr einen Quotenplatz für die Paralympics 2020 beschert.
Kugelstoßer Sebastian Dietz hatte sich bei der WM mehr vorgenommen. Platz vier und der damit verbundene Quotenplatz für die Paralympics waren nicht der Anspruch, den Dietz an sich selbst stellte. Eine Medaille verpasst, aber den Quotenplatz für die Paralympics gesichert – das ist auch die Bilanz von Katrin Müller-Rottgardt, mit ihrem Begleitläufer Noel Fiener. Die Athlet*innen vom TV 01 Wattenscheid wurden über die 100 Meter in der Startklasse T12 Vierte. Auch in Bönen wird über einen Quotenplatz für die Paralympics gejubelt: Mit Denis Schmitz schaffte es ein Athlet der RGS Bönen als Vierter über die 100 Meter in der Startklasse T33 nach Tokio.
In Dubai feiern auch einige NRW-Athlet*innen ihr WM-Debüt: Maria Tietze und Johannes Bessell vom TSV Bayer 04 Leverkusen machten genauso wie Marcel Böttger (mit Begleitläufer Alexander Kosenkow) ihre ersten WM-Erfahrungen. Mit der 17-jährigen Nele Moos stellte das deutsche Team zudem die jüngste Athletin.
Ein Überblick über alle Medaillen sowie Tokio-Startplätze der Athlet*innen aus Nordrhein-Westfalen:
Gold
- 100 Meter T64: Irmgard Bensusan (TSV Bayer 04 Leverkusen)
- 200 Meter T64: Irmgard Bensusan (TSV Bayer 04 Leverkusen)
- 100 Meter T64: Johannes Floors (TSV Bayer 04 Leverkusen)
- 400 Meter T64: Johannes Floors (TSV Bayer 04 Leverkusen)
- Weitsprung T64: Markus Rehm (TSV Bayer 04 Leverkusen)
- Weitsprung T63: Léon Schäfer (TSV Bayer 04 Leverkusen)
- Kugelstoßen F36: Birgit Kober (BSG Bad Oeynhausen)
Silber
-
100 Meter T62: Léon Schäfer (TSV Bayer 04 Leverkusen)
Bronze
-
100 Meter T64: Felix Streng (TSV Bayer 04 Leverkusen)
Neben den Medaillengewinner*innen qualifizierten sich folgende Athlet*innen für die Paralympics 2020 in Tokio:
- 100 Meter T12: Katrin Müller-Rottgardt mit Guide Noel Fiener (TV 01 Wattenscheid)
- 100 Meter T33: Denis Schmitz (RGS Bönen)
- Weitsprung T64: Felix Streng (TSV Bayer 04 Leverkusen)
- Kugelstoßen F36: Sebastian Dietz (BSG Bad Oeynhausen),
- Kugelstoßen F36: Juliane Mogge (LC Adler Bottrop)