BRSNW: Was ist Ihre derzeitige ehrenamtliche Aufgabe?
Ich bin Mitglied des Youngteams und helfe bei Veranstaltungen der KIJU. Außerdem habe ich ein weiteres Ehrenamt beim Hastener TV in Remscheid. Dort betreuen meine Sohn Markus und ich eine Rehasportgruppe mit dem Schwerpunkt Rollstuhl. Manchmal helfe ich auch bei der Rollstuhl-Rehasportgruppe beim Ratinger TV aus. Das besondere dabei ist, dass ich selbst Rollstuhlfahrerin bin und aus eigener Erfahrung Tipps und Anregungen geben kann.
BRSNW: Wie und wann kamen Sie damals zu Ihrem Ehrenamt?
2015 habe ich ein Mobilitätstraining für Rollstuhlfahrer von der Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) zusammen mit dem BRSNW mitgemacht. Der Referent war damals Axel Görgens. Und weil mein Sohn, der beim Training dabei war, sich mit einem Mitglied des Youngs Teams angefreundet hat, kam irgendwann der Kontakt zustande und ich wurde dann später auch für das Young Team „rekrutiert“. Da viele Helfer*innen nur am Wochenende helfen können, da sie unter der Woche studieren, zur Schule gehen oder feste Arbeitszeiten haben, helfe ich oft unter der Woche aus. Ich kümmere mich um die Verwaltung von einigen Wohnungen und kann mir meine Zeit zum Glück einigermaßen frei einteilen. 2015 habe ich dann direkt auf der Rehacare geholfen und bin seitdem jedes Jahr auf der Messe aber z.B. auch bei Talenttagen, dem Eissportfest oder Schulaktionstagen dabei. Durch eine Veranstaltung des BRSNW in Remscheid 2015 kamen wir in Kontakt mit dem Hastener TV und nur 3 Monate später, konnten wir in Remscheid die Rehasportgruppe „Fit und mobil mit dem Rolli“ gründen.
BRSNW: Was treibt Sie an das Ehrenamt auszuführen?
Mir wurde damals von einem Ehrenamtler (Horst Strohkendl) der richtige Umgang mit dem Rollstuhl gezeigt. Durch ihn kam ich dann zum besagten Mobilitätstraining bei Axel Görgens. Mir ist, dank einem Ehrenamtler, etwas Gutes widerfahren und das möchte ich weitergeben!
BRSNW: Was war Ihr schönstes Erlebnis im Ehrenamt?
Veranstaltungen schenken so viele schöne Erlebnisse.
Besonders im Kopf geblieben ist mir eine Situation beim Talenttag in Köln. Dort habe ich die Station mit den Handbikes betreut. 2 blinde Jugendliche wollten unbedingt die Handbikes ausprobieren. Wir haben es geschafft, dass ich vorfahre und mit einem Glöckchen akustische Signale gebe. Die zwei Jugendlichen konnten mir dann hinterherfahren und haben sich am Klingeln orientiert. So haben wir unsere Runden zu dritt auf der Tartanbahn gedreht und wir alle hatten wahnsinnigen Spaß. Das war ein echt toller Moment, der mich auch immer wieder motiviert!
Ich erinnere mich auch immer wieder an eine Situation bei einem „Tag des Rollstuhlsports“ in Duisburg-Wedau. Ein junges Mädchen war durch einen schweren MS-Schub auf den Rollstuhl angewiesen und weder sie, noch ihre Familie hatten Erfahrung damit. Als sie zu mir kam saß da ein junges Mädchen traurig und schüchtern in einem völlig falsch ausgemessenen und nicht auf ihre Bedürfnisse angepassten Rollstuhl. Sie wollte bei keiner Sportart mitmachen und so suchten wir aus den Rollstühlen, die der BRSNW für Aktionen besitzt, einen passenderen und sportlichen für diesen Tag aus. Sie absolvierte danach mehrfach mit mir den „Rolli-Parcours“ und nachher machten wir noch ein Wettrennen durch die Halle. Sie blühte mit jeder Sportart, die sie danach ausprobierte, auf. Wir gaben den Eltern noch Tipps und mit Hilfe von Axel Görgens konnten sie vom Sanitätshaus einen anderen Rollstuhl bekommen, mit dem sie sich dann auch wieder in die Schule traute. Das ist ein Erlebnis, welches mich motiviert meine Erfahrungen weiterzugeben.
Ein anderes besonderes Erlebnis, welches ich noch neben unserem wöchentlichen Rehasport in Remscheid erleben darf, ist die Rehasportgruppe in Ratingen. Diese Gruppe von Rollstuhlfahrer*innen, hat sich 2015 bei zwei Mobilitätslehrgängen mit Axel kennengelernt! Einige Teilnehmer*innen wollten einfach mehr machen und so haben wir Anfangs mit Axel im Seminarraum der Sportschule Wedau Trainingseinheiten gemacht. Wir kommen aus verschiedenen Städten: Duisburg, Grevenbroich, Wesel, Dinslaken, Düsseldorf – aber alle nehmen den Fahrtweg auf sich. Später sind wir dann zu Lena Kreft zum TV Ratingen gewechselt, und dort treffen wir uns immer noch. Vor und nach den Stunden wird gequatscht, aber auch wichtige Infos und Erfahrungen ausgetauscht. Dazu kommen Spiele, Rehasport, Gymnastik und ganz viel Mobilitätstrainig mit dem Rollstuhl.
BRSNW: Was machen Sie in Ihrer Freizeit neben oder nach der ehrenamtlichen Zeit?
Wenn ich nicht gerade mit der Verwaltung der Wohnungen und der Organisation der Handwerker beschäftigt bin, dann bin ich gerne unterwegs! Zusammen mit drei anderen Frauen im Rollstuhl besuchen wir gerne Musicals. Aber auch sonst mache ich gerne Städtetrips und bin einfach gerne aktiv. Manchmal schreibe ich Artikel für ein barrierefreies Magazin und natürlich bin ich sehr gerne für Veranstaltungen des Youngteams unterwegs.
BRSNW: Vielen Dank Frau Kanter, für Ihre Zeit und die ehrenamtliche Unterstützung des Young Teams!