Ein Jahr mit Hindernissen geht zu Ende!
Liebe Sportfreund*innen,
sicherlich werden viele von Ihnen "Gott sei Dank" sagen, wenn das Jahr 2020 bald Geschichte sein wird. Verständlich, wenn man bedenkt, welche Einschränkungen uns das Coronavirus in allen Lebensbereichen abverlangte und es immer noch tut.
Dabei hätte es ein Sportjahr der Superlative mit zahlreichen Top-Veranstaltungen im (Behinderten-) Sport werden sollen. Die absoluten Highlights wären sicherlich die Olympischen Spiele und Paralympics in Tokio gewesen. Besonders schmerzhaft war für uns in Nordrhein-Westfalen die Absage der für Mai geplanten Internationalen Deutschen Meisterschaft (IDM), der Para Leichtathletik in Bottrop, die mit viel Engagement und Herzblut von allen Beteiligten vorbereitet war.
Es sind nicht allein die ausgefallenen Großveranstaltungen, die uns wehmütig zurückblicken lassen. Die Einschränkungen im Sport trafen die Menschen quer durch alle Sportarten und Altersklassen. Konnte der Sportbetrieb in den ersten Wochen des Jahres noch vergleichsweise normal ablaufen, ging mit dem ersten Lockdown erst einmal nichts mehr. Geschlossene Sportstätten, Kontaktbeschränkungen, Absagen von großen und kleinen Veranstaltungen, Lehrgängen, Versammlungen – wir alle kennen und spüren die Auswirkungen selbst noch immer.
Ich gebe zu, dass der Vergleich etwas hinkt: Aber in meinen Augen hat das Virus unsere Gesellschaft zu einer Gesellschaft mit Behinderung gemacht. Vieles, was zuvor selbstverständlich war und funktionierte, geht von jetzt auf gleich nicht mehr. Man muss wie im Rehabilitationsprozess aktiv versuchen fehlende Funktionen zu kompensieren, noch vorhandene Fähigkeiten zu fördern und zu stärken und kreative Wege finden, um das gesellschaftliche Leben weiter aufrecht zu erhalten und daran teilnehmen zu können.
Arbeiten aus dem Home-Office, Online-Unterricht, virtuelle Seminare, Sitzungen und Konferenzen sind solche kreativen Lösungen, die es ermöglichen, Prozesse ohne Ansteckungsgefahr am Laufen zu halten. Gut, dass der BRSNW in den vergangenen Jahren viel in die Weiterentwicklung seiner digitalen Strukturen investiert hat. Dadurch konnte der Verband auch in der Krise seinen Vereinen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.
Im aktiven Sport gestaltet sich das schwieriger. Natürlich kann man vor dem Fernseher oder Computer Übungen nachmachen, die in einem Video demonstriert werden. Das ist sicherlich für gesunde und nicht behinderte Menschen eine akzeptable, temporäre Form des Trainings.
Im Rehabilitationssport funktioniert das leider nicht. Zwar wäre es sinnvoll, gerade Reha-Sportler*innen in einem kontinuierlichen Trainingsprozess zu halten, aber als "Tele-Rehabilitationssport" ist das aus verschiedenen Gründen nicht möglich. Auch wenn wir Verständnis für die prekäre Situation in manchen Mitgliedsvereinen haben, sind Trainingseinheiten auf digitalem Weg im Rehasport nicht machbar. Hierzu gibt es eine gemeinsame Stellungnahme von Landessportbund und BRSNW, die die Gründe ausführlich erläutert.
Die Pandemie richtet großen wirtschaftlichen Schaden an. Davon sind nicht nur Industrie, Handel und Gastronomie betroffen, sondern auch Künstler*innen oder freiberuflich tätige Menschen. Nicht zuletzt auch Vereine und Sportstudios die durch den erzwungenen Ausfall von Sportangeboten finanziell in Bedrängnis geraten. Dazu kommt derzeit eine sehr unbefriedigende Situation, in der nicht eindeutig geklärt ist, ob die avisierten Hilfen aus dem Corona-Schutzschirm auch in allen Fällen für Vereine, Trainer*innen und Übungsleitungen fließen können. Denn durch die Zulässigkeit von verordnetem Rehasport ist zweifelhaft, ob Anspruch auf diese Hilfen besteht. Verschärft wird die Situation dadurch, dass viele Rehasportler*innen aus Vorsicht nicht in die Gruppen gehen und dadurch die Durchführung für die Vereine unwirtschaftlich ist.
An Lösungen für diese und andere Fragen arbeiten wir derzeit intensiv mit dem Landessportbund zusammen und stehen in engem Kontakt mit der Staatskanzlei und dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales. Ich bin zuversichtlich, dass wir gemeinsam mit dem LSB die Interessen des Sports dort angemessen vertreten können. Die Situation mit dem aktuellen, bundesweiten Lock Down erfordert allerdings Geduld.
Trotz allem Übel mit der Pandemie gibt es erfreulicherweise doch auch viele positive Dinge aus dem Behindertensport im Jahr 2020 zu berichten. Sowohl im Breiten- wie auch im Leistungssport konnten einige beachtenswerte Veranstaltungen mit erfreulichen Ergebnissen durchgeführt werden.
Die Hallen-Landesmeisterschaften im Para Bogensport im Januar in Soest waren mit über 70 Schützen*innen eines der bestbesuchten Turniere der letzten Jahre.
Gleiches gilt für das inklusive Eissportfest des KiJu-Teams des BRSNW, das unter der Schirmherrschaft des Moerser Bürgermeisters Christoph Fleischhauer mit rund 110 Besucher in der ENNI Eiswelt in Moers stattgefunden hat.
Mit Topleistungen starteten die NRW-Leichtathleten bereits im Januar, wo bei den Nordrhein-Meisterschaften fünf deutsche Rekorde und viele persönliche Bestleistungen erzielt wurden.
Bei der Deutschen Para-Leichtathletik Hallenmeisterschaft Mitte Februar in Erfurt gab es einen reichen Medaillensegen für die BRSNW Athleten: 9-mal Gold, 8-mal Silber und 8-mal Bronze, sowie 8 Deutsche Rekorde standen in den Ergebnislisten.
Da wollten die Tischtennisspieler*innen nicht hintenanstehen. Das NRW-Team mit Sandra Mikolaschek, Valentin Baus und Thomas Schmidberger gewann im Februar noch vor dem letzten Spieltag zum fünften Mal nacheinander den Deutschen Meister Titel.
Soweit möglich fanden natürlich auch Schnuppertage statt, denn das Entdecken und Gewinnen von Talenten ist eine wichtige Zukunftsaufgabe. Anfang März konnte noch ein erster Schnuppertag Para-Leichtathletik mit 15 Teilnehmer*innen in Leverkusen durchgeführt werden und im September veranstaltete der BRSNW in Köln am Fühlinger See einen Schnuppertag für das Para Rudern.
Im kostenlosen Newsletter des Verbandes, dessen Bezug ich Ihnen und allen Ihren Vereinsmitgliedern sehr ans Herz lege, und auf unserer im letzten Jahr neu gestalteten, barrierefreien Homepage stellten wir in einer Interviewreihe verdiente Ehrenamtler*innen vor. Diese berichteten darüber, was sie antreibt, sich mit einem Großteil ihrer freien Zeit im und für den Sport von Menschen mit Behinderung einzubringen. Sie sind Beispiel für das hohe Engagement aller in unseren Vereinen überwiegend ehrenamtlich tätigen Personen, bei denen ich mich ganz herzlich bedanken möchte.
Wie viel und wie kreativ und engagiert in unseren Vereinen gearbeitet wird spiegelt sich in den Bewerbungen zum NRW Wettbewerb "Behindertensportverein des Jahres" wider, der in diesem Jahr bereits zum 6. Mal stattfand. Es wurden zehn Vereine prämiert, die sich dem diesjährigen Thema "Kinder und Jugend" gewidmet hatten. Im vergangenen Jahr konnten wir die von der Jury ausgewählten Vereine noch in unserem Sportcenter auf der REHACARE International in einem würdigen Rahmen ehren. Im Coronajahr 2020 musste die gesamte Fachmesse und damit auch unser Sportcenter und die Ehrungsveranstaltung leider abgesagt werden.
Umso wichtiger ist es uns, die Informationen zum Wettbewerb, zu unseren Partnern und insbesondere zu den siegreichen Vereinen zumindest digital weiterzugeben. Einzelheiten dazu finden Sie hier.
Wie wichtig es für uns Menschen ist Teil einer Gemeinschaft zu sein, andere Menschen zu treffen, zu kommunizieren oder gemeinsam Sport zu treiben, spüren wir besonders, wenn genau das über einen längeren Zeitraum nicht möglich ist. Insofern war das Jahr 2020 nicht nur für den Sport, sondern für unserer gesamtes gesellschaftliches Gefüge kein gutes Jahr. Das zeigt sich in den Protesten gegen Einschränkungen, die doch Menschen schützen und vor Krankheit bewahren sollen.
Einen besonderen Dank möchte ich an diejenigen Personen in unseren Vereinen richten, die trotz Lockdown die Strukturen im „Standby-Modus“ gehalten haben, bereit, sofort wieder für die Menschen aktiv zu werden, wenn die Inzidenzzahlen dies erlauben.
Dank möchte ich auch unseren vielen langjährigen Partnern und Förderern, der Landesregierung, den Stiftungen, Institutionen, Vereinigungen und Wirtschaftsunternehmen sagen. Vieles was besprochen und geplant war, konnte dieses Jahr coronabedingt nicht umgesetzt werden. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir Dank Unterstützung aller unsere Arbeit schon in naher Zukunft wieder das gewohnte Niveau in Umfang und Qualität erreichen wird.
Vermutlich werden wir auch im Frühjahr 2021 noch nicht wieder voll durchstarten. Ich bin mir aber sicher, dass das Vereinsleben in unseren 1400 Mitgliedsvereinen mit dem Erscheinen von Krokussen und Schneeglöckchen wieder Fahrt aufnehmen kann. Freuen wir uns also auf das Frühjahr und auf die Fülle von Veranstaltungen, gemeinsame Sportstunden und das hoffentlich gesunde Wiedersehen mit allen unseren Sportfreund*innen.
Ihnen/Euch mit allen Mitgliedern, Angehörigen und Freunden wünsche ich ein frohes Weihnachtsfest und ein glückliches, zufriedenes Jahr 2021 bei bester Gesundheit!
Ich freue mich auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit mit Ihnen/Euch allen und hoffe, dass wir auch im nächsten Jahr wieder gemeinsam "aktiv dabei" sind.
Ihr
Reinhard Schneider
(Vorsitzender des BRSNW)