Liebe Sportfreund*innen,
zum Ende des Jahres stellt man sich immer wieder die Frage, was war gut, was weniger und wo besteht Bedarf an Veränderungen und Verbesserungen. Auch 2023 macht da keine Ausnahme und das ist gut so, denn mit unseren Erkenntnissen können wir dann Einfluss darauf nehmen, wie sich unsere Arbeit im Jahr 2024 entwickeln wird.
Wieder aktiv dabei!
Bereits in 2022 zeichnete sich ab, dass die Einschränkungen, die wir zuvor durch die Corona Pandemie erlebt hatten, langsam überwunden werden können. So wurde 2023 zu einem fast normalen Sportjahr. Schon im Januar konnten einige sehr gelungene Veranstaltungen durchgeführt werden. Passend zur Jahreszeit zum Beispiel das große Eissportfest der BRSNW-KiJu in Moers. Über 160 Teilnehmer*innen: Egal ob alt oder jung, mit oder ohne Behinderung kamen am Samstag, 28. Januar 2023 in die Eishalle Moers, um gemeinsam die Möglichkeiten von Bewegung, Spiel und Sport auf dem Eis zu erkunden. Weitere Highlights im Januar waren die offene Landesmeisterschaft Bogensport in der Halle 2023, die Landesmeisterschaft im Tischtennis in Wuppertal, und auch die Tagung unserer Referent*innen mit über 50 Personen gehörte dazu.
Und es ging nahtlos weiter. Die Judoka zeigten nach dreijähriger Corona bedingter Unterbrechung Anfang Februar ihr Können bei der Landesmeisterschaft in Oberhausen. 27 Wintersportbegeisterte folgten dem Ruf der Berge und pflügten im sauerländischen Züschen die Pisten um. Viele andere wichtige Sportveranstaltungen folgten im Lauf des Jahres, nicht alle können hier erwähnt werden.
Aber es war gut zu sehen, dass die Menschen nach den vielen Einschränkungen den Sport und die Gemeinschaft in den Vereinen und bei Veranstaltungen wieder in vollen Zügen genießen wollten und konnten. Hoffen wir, dass es lange so bleibt!
Ganz schön alt geworden?
Ich behaupte nein. Zwar konnten wir 2023 ein kleines Jubiläum feiern und auf 70 Jahre organisierten Behindertensport in Nordrhein-Westfalen zurückblicken, aber der BRSNW ist immer noch eine junge und sich dynamisch entwickelnde Gemeinschaft aktiver Menschen.
Natürlich hat sich unser Verband von seiner Gründung als Versehrtensportverband im Jahr 1953 bis heute erheblich verändert. Dank engagierter Mitstreiter im Verband und einer Vielzahl von Förderern können wir den Menschen mit oder mit drohender Behinderung heute ein breites Spektrum sportlicher Aktivitäten anbieten. Die Gemeinschaft lebt und entwickelt sich weiter und für die betroffenen Menschen wächst die Möglichkeit, aktiv daran teilzunehmen und sich so ein Stück Lebensqualität zu sichern. Wenn Sie sich für die geschichtliche Entwicklung des BRSNW interessieren, empfehle ich Ihnen den kleinen Film „Zeitzeugen“ auf unserer Internetseite. Engagierte Menschen, die den Verband lange Zeit begleitet haben, kommen dort zu Wort und berichten aus früheren Jahren!
Kooperation und Inklusion
Gemeinsam sind wir stark – und können Dinge bewegen, die alleine nur schwierig zu bewältigen wären, etwa beim Thema der Inklusion. Daher ist unser Verband offen für die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, was wir ja auch in der Vergangenheit schon erfolgreich praktiziert haben.
Das Projekt "Auf einer Wellenlänge - inklusiv aktiv", das der BRSNW gemeinsam mit dem Schwimmverband NRW seit Herbst 2022 durchführt, ist ein gutes Beispiel aus diesem Bereich, das auch außerhalb von NRW Beachtung findet. So berichtete der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) in seinem Infodienst Inklusion und im Bereich „Good Practice“ über die Kooperation, deren Schwerpunkt in der Anfängerschwimmausbildung liegt.
Kooperationen und Zusammenarbeit gibt es natürlich auch in anderen Bereichen, etwa in der Qualifizierung und Fortbildung von Übungsleiter*innen und Trainer*innen sowie zu den Möglichkeiten und Chancen von Inklusion im und durch Sport. Dazu wurde bereits Im Frühjahr ein neuer Kooperationsvertrag zwischen dem BRSNW und dem Kreissportbund Märkischer Kreis unterschrieben.
Mehr junge Menschen an den Sport heranzuführen, war auch im Jahr 2023 eine bedeutende Aufgabe unseres Verbandes, die auf dem letzten Verbandstag 2022 auch explizit benannt wurde. Hierzu wurden u.a. mehrere Schulaktionstage mit bis zu 50 Teilnehmer*innen durchgeführt, bei denen verschiedene Behindertensportarten vom Rollstuhlfahren bis zum Blindensport ausprobiert werden konnten. Ähnliche Schnuppertage gab es an verschiedenen Orten und in Zusammenarbeit mit den Gemeinden und örtlichen Vereinen. Für blinde und sehbehinderte Schüler gab es sogar einen eigenen Aktionstag in Düsseldorf.
Gezielt Kindern und Jugendlichen mit Behinderung den paralympischen Sport vorstellen sollte der Para Sport Day, der am 12. November in der Landeshauptstadt Düsseldorf stattfand.
Unsere stellvertretende Vorsitzende Anja Surmann formulierte es so: „Der Zugang zum Sport erfolgt über den Schulsport hinaus bisher leider nur wenig systematisch und ist zu häufig von Zufall geprägt.“ Um das zu ändern bringen wir Kinder mit Behinderung und Eltern mit Sportarten und -vereinen und qualifizierten Trainer*innen in Kontakt.
Eine Grundvoraussetzung für Inklusion, die ja ein erklärtes Ziel unserer Arbeit ist, ist Barrierefreiheit. Das haben wir zum Anlass genommen, uns anlässlich des europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai einmal an die eigene Nase zu fassen und haben uns in unserer Geschäftsstelle umgeschaut. Das Ergebnis war zufriedenstellend: Dank vorhandener Rampen, Automatiktüren, breiter Zimmertüren, sanitärer Anlagen usw. können wir behaupten: Die komplette Geschäftsstelle ist barrierefrei zugänglich. Machen Sie bei sich doch auch einmal den Test. Das könnte helfen Barrierefreiheit und damit die Möglichkeiten für Inklusion zu fördern.
Breitensportförderung
Der BRSNW möchte seine Mitgliedsvereine beim Aufbau neuer breitensportlicher Angebote, Projekte, Veranstaltungen und Initiativen unterstützen.
Als ein Baustein dazu wurden in allen fünf Bezirken innovative Bewegungs-, Spiel- und Sportangebote für Menschen mit Behinderung mit bis zu 500 EUR (mit)finanziert.
Eine schöne Idee für inklusiven Sport hatte beispielsweise die GBSG Herford e.V. mit ihrem „Disco Bowling inklusiv". Gemeinsam mit der Fußballjugend des TV Elverdissen spielte eine Gruppe junger Menschen mit geistiger Behinderung mit großer Begeisterung und auffallend wertschätzendem Umgang Bowling miteinander. Nicht die beste Leistung, sondern der gemeinsame Spaß an der Bewegung stand für die 50 Aktiven im Vordergrund.
Leistungssport
Auch leistungssportlich ist unser Verband im Jahr 2023 aktiv und erfolgreich gewesen. Etwa im Juli in Paris, wo die Weltmeisterschaft Leichtathletik mehr als eine Generalprobe für die im kommenden Jahr stattfindenden Paralympics waren, oder bei den Tischtennis-Europameisterschaften im englischen Sheffield. Bei diesen hochkarätigen Meisterschaften ging es nicht nur um Medaillen und Rekorde, sie sind immer auch eine Standortbestimmung und bieten den Sportler*innen die Möglichkeit der Qualifikation für die Paralympics. Die erreichten Resultate stimmen uns zuversichtlich für 2024! Aber wir blicken auch schon auf die Jahre danach und bemühen uns junge Talente zu entdecken, in unsere Vereins- und Verbandsstrukturen einzubinden und behutsam aufzubauen.
Unser neuer Talent-Scout ist der Ruderer Marc Lembeck, der Veranstaltungen wie die „Para Sport Tour“, bei der interessierte junge Sportler*innen ein ganzes Wochenende lang die Vielfalt des Behindertensports kennen lernen können, fortführen wird.
Freuen wir uns darauf! Paralympics 2024
Die Paralympics 2024 finden (fast) vor unserer Haustüre in Paris statt. Das bietet uns die Möglichkeit die Faszination und den Geist der Paralympics hautnah zu erleben. Man braucht aber nicht unbedingt nach Paris zu reisen, um paralympisches Flair zu genießen, denn zwischen dem 28.8.24 und dem 7.9.24 gibt es in den Schadow-Arkaden in der Düsseldorfer Innenstadt die Paralympics-Lounge des BRSNW. Sie wird ein Ort der Begegnung und des gemeinsamen Erlebens werden. Liveübertragungen aus Paris, Gespräche mit kompetenten Personen aus Wirtschaft, Politik und Sport zu vielfältigen Themen wie Inklusion, Teilhabe und Leben mit Behinderung erwarten Sie!
Highlight Rehacare 2023
Wie bereits im Vorjahr fand das Sportcenter der diesjährigen Rehacare nach dem neuen Konzept statt, das sich bereits 2022 sehr bewährt hatte. Dank unserer Förderer und Sponsoren konnten die Messegäste auf 3500qm eine Vielzahl an sportlichen Aktivitäten ausprobieren. Unsere professionellen Moderatoren Franziska Liebhardt, Sebastian Messerschmidt und Sebastian Hempfling konnten mittels moderner Übertragungs- und Projektionstechnik an allen Stationen der Halle Interviews führen, Erklärungen und Kommentare liefern und über die Aktivitäten auf den einzelnen Flächen berichten.
Auch im neuen Konzept des Sportcenters hat Traditionelles noch seinen Platz. Wie immer wurde der Mädchenkalender „Kalendrina“ dort präsentiert und auch unser Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, Karl-Josef Laumann, kommt, wenn irgendwie möglich, zu einem Rundgang durch das Sportcenter. Auch 2023 führte er ausführliche Gespräche und informierte sich und wurde trotz Zeitnot sogar selbst aktiv.
Eine Bitte noch
Unsere zahlreichen Angebote auf Vereins-, Bezirks- und Landesebene finden zunehmend Aufmerksamkeit und Anerkennung in der Öffentlichkeit. Erfreulicherweise führt dies zu immer mehr Anfragen von einzelnen oder Gruppen von Menschen mit Behinderung, deren Familien oder Einrichtungen zu möglichen Bewegungs- und Sportangebote in deren persönlichem Umfeld.
Leider können wir viele Anfragen etwa bzgl. bestimmter Sportarten nicht zufriedenstellend beantworten , weil vielfach die Angaben in den Statistikfragebögen unvollständig sind.
Um gezielt persönliche Kontakte mit Ihnen vermitteln zu können, brauchen wir die Informationen darüber, was in Ihren Vereinen passiert, insbesondere welche Sportarten betrieben werden, welche Sportgruppen es gibt, wie der Inklusionsgedanke bei Ihnen gelebt wird, welche außergewöhnlichen Unternehmungen Sie angestoßen haben. Indem Sie die Fragebögen zur Statistik mit den Hinweisen auf Ihre Aktivitäten vervollständigen, helfen Sie mit, Menschen mit Behinderung, die sportlich aktiv werden wollen, zu einem passenden Angebot in unseren Reihen zu verhelfen.
Ein Verband wie der BRSNW als Zusammenschluss von mehr als 200.000 Menschen in 1.300 Vereinen kann nur reibungslos funktionieren, wenn die verbandsinterne Kommunikation funktioniert und ein Austausch zwischen allen Beteiligten gegeben ist. Wir haben in der Vergangenheit viel investiert, um die Kommunikationsmöglichkeiten zu verbessern. Bitte machen Sie rege Gebrauch davon! Abonnieren Sie, Ihre Vorstände, Übungsleitungen, -helfer und Mitglieder unseren kostenlosen Newsletter, der alle sechs Wochen versandt wird. Dort erfahren Sie alles über unseren Sport, Veranstaltungen, Ausschreibungen usw. Wer in den Sozialen Medien aktiv ist, profitiert sicherlich von unserer Facebook- oder Instagram-Seite. Schauen Sie mal rein!
Zum Schluss, ich hoffe Sie haben bis hier hin mit dem Lesen durchgehalten, möchte ich Ihnen/Euch allen herzlich Dankeschön sagen! Für die geleistete Arbeit in den Vereinen, bei Veranstaltungen, bei der Darstellung unserer gemeinsamen Arbeit in der Öffentlichkeit und auch für die Ausdauer beim Überwinden der Pandemiefolgen. Trotz Krisen und unguter Zeiten haben Sie in den Vereinen die Basis dafür geschaffen, dass Sport, Begegnung und Inklusion in unserem Verband weiterhin stattfinden.
Danke auch im Namen der Menschen in unserem Verband, für die Eurer/Ihr Engagement einen erheblichen Beitrag für eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben bedeutet.
Euch/Ihnen allen, den Mitgliedern der Vereine, allen Angehörigen und Freunden wünsche ich ein glückliches, zufriedenes Jahr 2024 bei bester Gesundheit.
Lassen Sie uns gemeinsam die Zuversicht hegen, dass auch den machtbesessensten, geldgierigsten und verbrecherischsten Halunken auf dieser Welt klar wird, dass es nur gemeinsam und friedlich eine Zukunft für uns alle auf diesem Planeten gibt.
Ich freue mich darauf, auch im kommenden Jahr gemeinsam mit Ihnen/Euch „aktiv dabei“ sein zu können.
Ihr/Euer
Reinhard Schneider
Vorsitzender des BRSNW