Kolumne "Geistreich": Feiertage

Hier erzählt unser (Un-)Ruheständler Andreas Geist über seine Eindrücke aus dem Leben eines Rentners.

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Es gibt ja die kuriosesten Feier-, Gedenk- und Thementage. Ich meine damit nicht unsere gesetzlichen oder kirchlichen Feiertage sondern diejenigen, die ins Leben gerufen wurden, um an etwas mehr oder weniger Wichtiges zu erinnern. So ist der 29. Januar der „Tag des Blindenführhundes“, der daran erinnert, dass 1929 in New Jersey die erst Blindenführhund-Schule gegründet wurde. Seitdem haben blinde Menschen einen treuen Freund an der Seite, der für sie guckt. Das ist doch einen Gedenktag wert, oder? Dass der Tag des Hundekuchens (23. Februar) damit in Zusammenhang steht, glaube ich aber nicht. Andere Thementage wurden offenbar nur eingeführt, um den Umsatz von bestimmten Produkten zu fördern. Auffällig, wenn man die oben verlinkte Liste einmal ansieht ist, wie viel Thementage sich auf Essen und Genuss beziehen. Brauchen wir wirklich Tage des Marzipans (12.1.), des Popcorns (19.1.), des Schokoladenkuchens (27.1.) oder des Blaubeerpfannkuchens (28.1.)?

Ich denke, die sind überflüssig, genau wie der Nutella-Tag, der Eis-zum-Frühstück (3.2.) oder der Tortellini-Tag (13.2.). Auf letzteren folgt der 14. Februar und das ist – RICHTIG!!! – der Valentinstag. Schon Wochen vor diesem wichtigen Pflichttermin für alle Liebenden sind die Prospekte voll mit Dingen, mit denen man eine geliebte Person (m/w/d) glücklich machen soll. Was möglicherweise das ganze Jahr zuvor nicht geklappt hat, gelingt mit Pralinen aus herzförmigen Schachten, Gebäck in Herzform, Blumen oder auch Bettwäsche mit aufgedruckten Herzchen im Handumdrehen! Nicht, dass ich gegen Geschenke bin, die Menschen, die sich mögen, austauschen, aber den moralischen Zwang, das an einem festen Tag zu tun, anstatt zu einer persönlich passenden Gelegenheit, mache ich nicht mit.

An dieser Stelle muss ich eine Bildungslücke einräumen. Den Valentinstag habe ich immer für eine reine Erfindung der Wirtschaft gehalten, tatsächlich gab es den aber schon 496 als Gedenktag an den heiligen Valentinus. 1969 wurde der aber von der Kirche offiziell abgeschafft und seither dient der 14. Februar eher wirtschaftlichen Zwecken. Vielleicht sind die kirchlichen Wurzeln der Grund, weshalb der Valentinstag nicht in der o.g. Liste steht, dafür aber der „Tag des Kondoms“, was thematisch ja nicht ganz ohne Zusammenhang ist. Merke: An Liebenden lässt sich gut verdienen!
Und die Nicht-Liebenden und die, die nicht gut auf ihren Partner/Partnerin zu sprechen sind?  Auch die dürfen am 14. Februar ihren Spaß haben. Im Zoo von St. Antonio können sie eine Kakerlake oder ein Nagetier auf den Namen einer nicht so sehr geliebten Person taufen und diese dann an die Zootiere verfüttern lassen. Auch eine vegane Variante ist verfügbar, dann mit Salatköpfen. Auf Wunsch und gegen Aufpreis wird ein Video der Fütterung und eine Grußkarte an den/die Namensgeber(in) gesandt. Das hat das Zeug zu einem Riesenspaß!
Also ich werde niemanden symbolisch auffressen lassen, auch keine roten Rosen kaufen, die unter zweifelhaften Bedingungen angebaut und aus Afrika eingeflogen worden sind und auch sonst keine Geschenke zum Valentinstag machen.

Vielleicht kaufe ich aber dennoch etwas aus den gegenwärtigen Herzchen-Angeboten ein: Das Klopapier, das der Netto-Discounter gerade im Angebot hat. Bedruckt mit rosa Herzchen und dem Schriftzug Love.
Besser kann man glaube ich kaum ausdrücken, dass einem der Valentinstag am Allerwertesten vorbei geht.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß im Karneval und eine gute Zeit!
Ihr
Andreas Geist