Bestimmt habe ich in der Vergangenheit bereits einmal erwähnt, dass ich in der Zeit vor meinem Rentnerdasein im Sport meine Brötchen verdient habe. Nicht als Profisportler, da wäre ich wohl verhungert, aber in vielen anderen Bereichen und die letzten Jahrzehnte im Behindertensport. Das Berufsfeld hat mir besonders gut gefallen, denn ich hatte es fast immer mit netten und offenen Menschen zu tun, bei denen Freude am Sport, Gesundheit und das aktiv sein in der Gemeinschaft der Antrieb waren und nicht wie in vielen Bereichen der Kommerz. Klar, die eine oder andere Pappnase gab es da auch, aber an richtige Fieslinge kann ich mich nicht erinnern.
Auch heute bezeichne ich mich noch als sportbegeistert und interessiere mich sehr für Sport, ohne mich auf eine besondere Sportart festzulegen. Nur Fußball, Tennis oder Radsport wäre mir zu wenig. Die Vielfalt ist es, die mich begeistert: Leichtathletik, Schwimmen, Rudern, Kanu, Segeln, Handball, Wintersport… Stopp! Eine Ausnahme gibt es doch. Mit Motorsport habe ich nichts am Hut, aber das habe ich hier ja auch schon kundgetan und brauche ich nicht weiter ausführen.
Selten besuche ich jedoch größere Sportveranstaltungen. Vom Nibelungentriathlon hier in Xanten im Spätsommer einmal abgesehen J. Das hat unterschiedliche Gründe. In den Fußballstadien der oberen Ligen z.B. - und davon haben wir ja einige in NRW - ist es mir meist zu eng und zu laut. Zumindest auf den Plätzen, für die ich bereit wäre den Ticketpreis zu bezahlen. Und die Aussicht, dass ich möglicherweise von Bengalos und dem Qualm von Feuerwerkskörpern geräuchert werde, ist nicht sehr attraktiv. Noch schlimmer fände ich es, wenn im Stadion rassistische Beleidigungen laut werden, was ja leider immer wieder vorkommt, genau wie Keilereien zwischen „Fan“-Gruppen. Das ist nichts worauf ich Lust habe, da bleibe ich lieber zuhause.
Auch von den in diesem Jahr anstehenden Großveranstaltungen, der EM-Fußball im eigenen Land oder den Olympische Spielen vor der Haustüre in Paris, werde ich mich fernhalten. Wobei ich gestehe, dass es mich reizen würde einmal den Endlauf über 100m und andere Finals live im Stadion zu erleben. Aber bis zu 980 Euro für ein Ticket in gehobenen Kategorie, wo man auch wirklich nah am Geschehen sitzt und noch was erkennen kann, sind für einen Rentner wie mich zu happig. Und noch ein Problem habe ich mit diesen gigantischen Veranstaltungen: Sie sind aus meiner Sicht zu rein kommerziellen Events verkommen, bei denen einige wenige Personen sehr viel Geld verdienen und die Anderen die Zeche zahlen müssen für gestiegene Baukosten, Fehlplanungen usw. Die letzten Spiele in Tokio waren ursprünglich mit 6,6 Milliarden Dollar veranschlagt, gekostet haben sie dann 15 Milliarden. Dazu kommt der Verdacht der Bestechung bei der Vergabe, wie der Deutschlandfunk berichtet hat. Und wir alle kennen diese Gerüchte/Tatsachen auch von anderen Großveranstaltungen.
Olympischer Gigantismus in Reinform waren die Winterspiele im russischen Sotschi 2014. Diese kosteten satte 37 Milliarden Euro für neue Sportanlagen, Straßen, Hotels… Soviel kostet es, wenn man aus Prestigegründen aus einem Badeort ein Wintersport-Mekka machen will. Man könnte das fortsetzen mit Fußballweltmeisterschaften und anderen Wettbewerben.
Paris wird sicherlich weniger gigantisch, aber auch hier gibt es schon jetzt böses Blut. Weil die erstmalig an drei Tagen ausgetragenen Surfwettbewerbe auf Tahiti mit großen Zerstörungen am Korallenriff einhergehen. Zugesagt war das Schonen der Natur.
Da ich wie gesagt weder zur Fußball-EM noch zu den Olympischen Spielen fahren oder hier ins Stadion gehen werde, bleibt nur die Berichterstattung im Fernsehen oder „Liga live“ im Radio. Das ist schade, denn eigentlich mag ich die Stadionatmosphäre, wenn sie denn friedlich und von Begeisterung getragen ist, wie ich es bei den Paralympics in London 2012 erleben durfte. Es war ein großartiges Erlebnis und falls Sie die Gelegenheit haben zu den Paralympics (28.8.-8.9.) nach Paris zu fahren: Tun Sie es! So nah dran wird es die vorerst nicht mehr geben. Die Tickets sind da auch viel günstiger als bei den Olympischen Spielen.
Für mich bleibt es vermutlich aber beim Besuch kleinerer Sportveranstaltungen und da sind die im Behindertensport für mich immer noch etwas Besonderes. Und auf eine Veranstaltung, die zwar keine reine Sportveranstaltung ist, aber immer spannend und interessant, freue ich mich besonders: Die diesjährige REHACARE vom 25. bis 28. September in Düsseldorf. Das ist zwar noch eine ganze Weile hin, aber da treffe ich dann die eingangs erwähnten netten und engagierten Menschen, die mehr Interesse an den positiven Wirkungen des Sports haben als damit gigantisch viel Geld zu verdienen.
Mit einem Besuch der Paralympics wird es bei mir voraussichtlich nichts werden. Am 1. September findet der Nibelungentriathlon in Xanten statt, und da will ich unbedingt mal wieder gucken gehen. Aber die Paralympics-Lounge des BRSNW und seiner Partner in den Schadow-Arkaden in Düsseldorf werde ich mir ansehen. Wäre schön, wenn wir uns dort treffen!
Herzlich grüßt
Ihr Andreas Geist