Sport ist ja grundsätzlich etwas Gutes. Er erhält nicht nur unseren Körper gesund und leistungsfähig, sondern ist auch gut für das seelische Gleichgewicht und die sozialen Kontakte. Das gilt für alle Altersgruppen. Bei Kindern fördert er die Entwicklung und ihre Sozialisation und auch wir Rentner profitieren von körperlicher Aktivität. Auch wenn der Bewegungsdrang im Alter etwas nachlässt und wir nicht mehr so aktiv sein können wie vor 30, 40 Jahren. Und natürlich verändert sich auch der Körper. Die Muskelmasse schwindet und der Speckanteil wird größer. Selbst mit großem Trainingsaufwand ist es dann sehr schwer bis unmöglich den Idealen eines*r Modellathlet*in zu entsprechen mit ausgeprägter, kräftiger Muskulatur und harmonischem Erscheinungsbild. So wie in der Werbung allgegenwärtig und uns als Idealbild eines*r Sportler*in vermittelt wird.
Natürlich kommt es auch auf die Sportart an, die betrieben wird und in welchem Kulturkreis man daheim ist. Modellathleten sind für mich z.B. die Leichtathleten, insbesondere die Zehnkämpfer. Sumo-Ringer dagegen genießen in Japan hohes Ansehen, anderswo vielleicht auch Gewichtheber und Ringer. Wieder andere dopen sich mit allerlei chemischen Substanzen um Muskeln zu entwickeln, die selbst ein hart trainierender Mensch ohne Chemie nie entwickeln würde. Die stehen dann eingeölt vor einer Jury, ziehen die nicht vorhandenen Bäuche ein und wollen bewundert werden. Von mir jedenfalls nicht. Aber das ist ja auch egal und Geschmacksache. Sport soll Spaß machen und vor allem die oben genannten positiven Wirkungen für den aktiven Menschen haben. Von den Fotomodellen und Idealbildern der Werbebranche und in den Illustrierten sollten wir uns daher nicht blenden lassen.
Daher hat mich kürzlich ein Bericht über Fußballer*innen begeistert, die eine Übergewichtigen Fußball Liga NRW gegründet haben. Diese umfasst aktuell sechs Vereinsmannschaften mit Frauen und Männer unterschiedlichen Alters. Die Idee dahinter: Übergewichtige Menschen, die in anderen Fußballmannschaften aufgrund ihrer Körperfülle nicht mithalten können, sollen aktiv werden und unter sich, ohne Scham oder gar dumme Sprüche von außen, Fußball spielen. Jeder so lange wie er kann und die Kondition es zulässt. Daher darf im Spiel auch beliebig oft gewechselt werden. Im Vordergrund stehen dabei das Gemeinschaftsgefühl und der Spaß am gemeinsamen Sport. Und da alle ein bisschen zu viel auf den Rippen haben, fällt es den Teilnehmenden leichter mitzumachen und aktiv zu sein. Daher haben Mannschaften wie die „Heavy Kickers“ auch kräftigen Zulauf im wahrsten Sinn des Wortes. Voraussetzung ist ein BMI von 31 und so haben die Akteure zwischen 100 und 130 kg. Allerdings besteht derzeit ein Aufnahmestopp, denn das Team ist zu groß geworden. Man unterstützt jedoch andere Fußballbegeisterte bei der Gründung neuer Teams.
Die Idee hat das Potential eine Massenbewegung zu werden. Nicht bezogen auf das Gewicht der einzelnen Personen, sondern auf die Anzahl der möglichen Aktiven. Denn Übergewicht nimmt weltweit zu und Fußball ist und bleibt eine der beliebtesten Sportarten auf unserem Planeten. Entsprechend groß ist auch das Echo in den Medien zum Fußball der Übergewichtigen.
Für mich ist das aber nicht das Richtige, obwohl früher ich gerne ein bisschen gekickt habe. Erstens schaffe ich (Gott sei Dank!) den geforderten BMI nicht und zweitens ist mir das Verletzungsrisiko zu hoch. Denn ganz ohne Leistungsgedanken wird es in den Ligaspielen dort auch nicht zugehen. Da gehe ich lieber mit einem Freund segeln. Zum Modellathleten wird man dabei zwar auch nicht, aber es macht Spaß, ist gesellig und stressfrei – genau das Richtige für uns Rentner.
Herzlich grüßt
Andreas Geist