Kolumne "Geistreich": Risiko

Hier erzählt unser (Un-)Ruheständler Andreas Geist über seine Eindrücke aus dem Leben eines Rentners.

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Denken Sie auch manchmal darüber nach, welche Folgen Ihr Handeln hat und welche Ereignisse mit welcher Wahrscheinlichkeit eintreffen werden? Ich mache das in der Regel schon. Trotzdem spiele ich ab und zu Lotto. Und weil ich derzeit kein unnötiges Risiko eingehen will und mich nicht irgendwo anstellen will um dort einen Schein abzugeben, habe ich mich als Onlinetipper registriert. Dann geht das Spielen ganz bequem und virensicher vom Sessel aus. Außerdem entgehe ich dem Risiko auf dem Weg zur Annahmestelle zu verunglücken. Dies soll nämlich wesentlich wahrscheinlicher sein als der Sechser mit Zusatzzahl. Da liegt die Wahrscheinlichkeit bei rund 1 zu 140 Millionen.

Das Netz wimmelt von Aufstellungen risikoreicher Tätigkeiten und Situationen.  Wer sich bei Gewitter draußen aufhält, hat ein Risiko von 1:18 Millionen vom Blitz erschlagen zu werden. Gefährlicher ist es in Gewässern zu schwimmen, in denen es Haie gibt. Da liegt die Chance gefressen zu werden schon bei 1:3,7 Millionen. Noch gefährlicher ist es aber am Strand unter den Palmen liegen zu bleiben, denn angeblich werden zehnmal mehr Menschen von herabfallenden Kokosnüssen ins Jenseits befördert als von den blutrünstigen Fischen. Und wenn Sie nachts gerne nach Sternschnuppen Ausschau halten, dann besteht das Risiko, dass Ihr Wunsch nicht in Erfüllung geht und Sie stattdessen von einem Meteoriten erschlagen werden.  Allerdings ist es 200 mal wahrscheinlicher sechs Richtige im Lotto zu haben als von einem Stein aus dem All getroffen zu werden.
Nicht immer haben die Berechnungen der Risiken eine solide Basis und allzu viel Wahrheitsgehalt sollte man daher nicht erwarten. Wer führt schon eine genaue Statistik über Kokosnussunfälle.

Da ist die aktuelle Situation bei den Corona-Erkrankungen besser dokumentiert. So hat der Mathematik-Professor Christian Heise errechnet, "...dass für 60-jährige Menschen eine Coronainfektion das effektive Sterberisiko verdoppelt“. Daher werde ich mich heute auch impfen lassen. Ich hatte das Glück einen der begehrten Sondertermine in NRW zu ergattern. Natürlich habe ich mich im Netz über die Risiken informiert und bin überzeugt, dass ich es wagen kann, mich piksen zu lassen.

Dennoch sollten wir immer kritisch sein und die Risiken im Leben genau abschätzen, wie etwa Versicherungen das machen. Daher rät der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft auf seiner Internetseite auch dazu seine individuellen Einschätzung von Risiken stets zu hinterfragen, denn da würden wir Deutschen sehr oft danebenliegen. Wie Recht sie hatten! Die größten Risiken im Leben, die ich nicht auf dem Schirm hatte sind Straftatverdacht, den wir um den Faktor 1.000 unterschätzen, Wohnungsbrand (350), Leitungswasserschaden (275), ziviler Rechtsstreit (200) und eine Autopanne mit Faktor 95!

Wie gut, dass die Versicherer mich darauf aufmerksam gemacht haben. Ich denke jetzt natürlich sofort über eine Rechtsschutzversicherung nach, überprüfe Haftpflicht- und Hausratversicherung und ein zusätzlicher Schutzbrief für das Auto kann doch auch nicht schaden. Die Versicherungsmathematiker sind schon pfiffig, die wissen, worauf es im Leben ankommt.
Die Kokosnüsse behalte ich trotzdem im Auge, wenn ich noch einmal an einen tropischen Strand kommen sollte.

Gehen Sie kein Risiko ein und bleiben Sie gesund!

Herzlich grüßt

Andreas Geist