Kolumne "Geistreich": Schachmatt

Hier erzählt unser (Un-)Ruheständler Andreas Geist über seine Eindrücke aus dem Leben eines Rentners.

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Gleichberechtigung, Chancengleichheit und Fairness sollten nicht nur im Sport, sondern in allen Bereichen unseres gesellschaftlichen Lebens selbstverständlich sein. Das ist es aber leider noch nicht und daher gibt es zum Beispiel Diskussionen um das Gendersternchen in der Schriftsprache und sogar bei Moderator*innen im Fernsehen. Anfangs hielt ich die kurze Sprachpause bevor das "*innen" kam für einen kleinen Schluckauf, inzwischen merke ich es fast nicht mehr. Egal, wie man dem gegenüber steht, wenn es wirklich für mehr Gerechtigkeit und Anerkennung sorgt, bin ich dabei. Wichtig ist, dass Ungerechtigkeiten erkannt und beseitigt werden.

Wenn Sie gerne "Schach" spielen wissen Sie, dass es auch das Spiel der Könige genannt wird. Der Name soll sich von "Schah", dem persischen Wort für Herrscher - also männlich -ableiten. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass das Spiel immer von Männern dominiert wurde und noch wird. Auf der Liste der internationalen Weltmeister stehen zumindest nur Männer, obwohl das Turnier seit 1980 auch für Frauen offen ist und beide Geschlechter direkt gegeneinander spielen dürfen. Dass das nicht daran liegt, dass Männer besser strategisch denken können, sondern eher an weniger Talentsuche und Förderung bei den Frauen, hat man beim Internationalen Schachverband FIDE erkannt und sich entschlossen daran etwas zu ändern. Das ist lobenswert und ein Schritt in die richtige Richtung.

Zwar gibt es noch eine Schachweltmeisterschaft der Frauen, aber wer weiß, vielleicht wird die bald überflüssig und Frauen bekommen im gleichen Turnier auch die gleichen Preisgelder wie die Männer. Wer übrigens bei der Frauen-WM gewinnt, darf den Titel Großmeister tragen. Das passt natürlich überhaupt nicht mehr in unsere Zeit. Da müsste es Großmeisterin heißen. Da ist das Gendern bisher wohl zu kurz gekommen, aber damit steht der Verband offensichtlich noch am Anfang und wir bleiben voller Hoffnung, dass es besser wird.

Immerhin haben die hellen Köpfe in Lausanne beim Schachverband FIDE die Notwendigkeit erkannt und beschlossen sich moderner aufzustellen. Die Förderung des Frauen-Schachspiels steht deshalb aktuell auf der Agenda und weil Fördermaßnahmen und Turniere Geld kosten, wurde ein potenter Sponsor gesucht und gefunden.

Die neue Partnerschaft kündigte der Verband auf seiner Webseite als bahnbrechend an und das war sie tatsächlich auch. Sie brach einem kräftigem Shitstorm Bahn!  Denn das Unternehmen Establishment Labs, das den Sponsoringvertrag unterschrieben hat, ist für seine Motiva-Produkte bekannt. Das sind Brustimplantate.

Kein Wunder in meinen Augen, dass die erwarteten Jubelstürme bei den Frauen ausblieben und sie dagegen von Sexismus und Diskriminierung schrieben. Im britischen "Guardian" äußerte sich eine Spielerin, dass sie sich kaum vorstellen könne, das FIDE eine Penisvergrößerungsfirma als Sponsor gewinnen würde, um die Männer-Weltmeisterschaft zu sponsern. Das glaube ich auch nicht. Das würde ja auch eher zum Motorsport passen. Da hört man ja ab und zu solche Witzchen, dass die vielen PS nötig wären, um etwas zu kompensieren.

Ein "Schachmatt" war das ganze Genderdesaster für den Sponsor allerdings nicht. Es gab zwar reichlich Kritik, aber die war meist anonym, denn die Abhängigkeit vom Verband und dessen Einladungen zu Turnieren scheint für manche Spielerin vorrangig zu sein. Da liegt offensichtlich noch viel Arbeit vor den Verantwortlichen bei der FIDE, bis Sprache und Handeln tatsächlich gendergerecht geworden sind.

Und neuer Ärger steht schon ins Haus. Das Schachspiel soll rassistisch und diskriminierend sein! Weil die weißen Figuren immer das Spiel eröffnen und die schwarzen nur reagieren. Außerdem werden Damen und Pferde geschlagen und Bauern einfach so geopfert. In der Studentenzeit habe ich gerne und oft Schach gespielt, aber jetzt überdenke meine Einstellung dazu noch einmal. Den Macher*innen der FIDE (Fédération Internationale des Échecs) wünsche ich viel Erfolg bei der Modernisierung des Verbandes.

Ach so, eins noch "jouer au échec" ist französisch und bedeutet Schach spielen.
Échec heißt allerdings auch Misserfolg!

Herzlich grüßt

Andreas Geist