Kolumne "Geistreich": Seltene Erde(n)

Hier erzählt unser (Un-)Ruheständler Andreas Geist über seine Eindrücke aus dem Leben eines Rentners.

Der Sommer, in dem ich mich am liebsten draußen aufhalte, ist durch und es wird langsam kühler und feuchter. Da verzieht sich ein Rentner wie ich gerne mal in den Lesesessel. Wobei, das muss ich eingestehen, seltener ein Buch oder eine gute Zeitschrift in die Hand genommen wird als der Laptop.

Da starte ich gewöhnlich mit den aktuellen Nachrichten und regelmäßig frage ich mich, weshalb überhaupt noch Horrorfilme gedreht werden. Um sich zu gruseln reicht es zu lesen, was in und mit der Welt so passiert und was für (Horror-)Clowns uns zum Teil regieren. Dabei ist das Topthema, an dem derzeit weder jung noch alt vorbei kommen, der Klimawandel.
Man mag Greta lieben oder als spinnert betrachten, aber sie hat es geschafft, die Politik unter Druck zu setzen und die Dringlichkeit für Veränderungen auf's Tablett zu bringen. Dafür bekommt sie nun den alternativen Nobelpreis. Für mich ist das eine gute Wahl, denn mit ihrem Engagement und ihrer emotionalen Rede vor der UN Vollversammlung hat sie die Welt wach gerüttelt und Diskussionen in Gang gebracht.
Was mir dabei jedoch gehörig gegen den Strich geht, ist die Polemik, mit der viele Mitbürger versuchen Thunberg und die FFF (Fridays For Future) Aktivisten zu diskreditieren. Nur ein Beispiel. Herr Lindner (FDP) spricht den Teilnehmern jede Kompetenz ab. Klimaschutz sei was für Profis und die Proteste sollten in der Freizeit stattfinden. Gut, die Meinung kann man haben, aber was die "Profis" aus der Politik bisher geschafft haben, erkennt jeder, der die Wetterstatistiken der letzten Jahre ansieht. Der CO2 Ausstoß weltweit ist sogar gestiegen. Eine Profileistung! Und was Demos in der Freizeit angeht: Wo ständen die Arbeitnehmer heute, wenn die Gewerkschaften nur abends nach Feierabend und am Wochenende zum Streik aufgerufen hätten, um ihre Rechte für eine bessere Arbeitssituation durchzusetzen??? Und da ging es "nur" um Arbeitszeiten, Löhne, Urlaub und nicht um die existentielle Zukunft von Generationen.

Dabei ist das, was die Anhänger der FFF Bewegung erreichen wollen, nicht neu. Doch die Politik (alles Profis!) hat sich nicht um die Warnungen der Wissenschaft gekümmert und aus Studien, die sie selbst in Auftrag gegeben hat, keine Konsequenzen gezogen. Beispiel ist der  Bericht Global 2000, den Jimmy Carter bereits 1977 in Auftrag gegeben hat und der 1980 erschienen ist. 40 verpennte Jahre, in denen Globalisierung und Wirtschaftswachstum um jeden Preis das Credo waren und nicht der Erhalt einer sauberen und lebenswerten Umwelt auf unserer Erde.
Wenn ich dann lese, dass Milliarden dafür ausgegeben werden sollen, um ein paar Menschen auf den Mars zu schießen und da oben sterben zu lassen, statt das Geld in Forschung zum Erhalt der Umwelt zu investieren, bin ich sicher, dass Homo Sapiens zu blöd ist, um hier unten zu überleben.
Da müssen sich die Sternegucker beeilen, um noch einen der seltenen erdähnlichen Planeten zu finden, auf den man sich retten könnte, wenn hier die Lichter ausgehen. Und bestimmt gibt es unter den 7,5 Milliarden Menschen hier unten eine faire Verlosung der vielleicht 5 - 6 Plätze im Raumschiff. Sicherlich  haben die Profis bereits eine Marketingstrategie für den Losverkauf.

Apropos seltene erdähnliche Planeten. Die größten Vorkommen an "Seltenen Erden", jene Metalle, die für viele Schlüsseltechnologien notwendig sind, gibt es in China, gleich nebenan in der Mongolei, in Australien und Grönland. Klingelt es bei Ihnen? Raten Sie mal, warum der amerikanische Pflaumenaugust den Dänen ein Angebot gemacht hat, Grönland abzukaufen. Besser mit seltenen Erden noch einen Haufen Geld scheffeln als einen Haufen Geld in Maßnahmen zum Klimaschutz und zum Erhalt unserer Erde stecken. "Nach uns die Sintflut" ist die Devise, und die läuft ja gerade auf. So warnt der Welt-Klimarat aktuell vor einem Anstieg um 1,1m in diesem Jahrhundert. Da bekommen Abermillionen Menschen im besten Fall nur nasse Füße, auch in Amerika.

Genug gespottet. Wir alle sind gefragt zu handeln, hier und weltweit. Es kann nicht ewiges Wachstum geben auf nur einer Erde. Es ist kein Platz mehr für Wirtschafts- und Glaubenskriege, rassistische Ideologien und Eigenbrötlerei mit dem Schlachtruf "Make XXXXX great again!" Aber bis das in den Köpfen der mächtigen Politprofis angekommen ist und bis die sich geeinigt haben, zusammen zu arbeiten, kann es noch dauern. Hoffentlich kommt die Erleuchtung schnell - oder besser überhaupt.
 

Wie lange dauert eigentlich so ein Flug zum Mars?

Eine lebenswerte Zukunft wünscht Ihnen, Ihren Kindern und Enkeln

Andreas Geist