Sportlich war das Leben von Ludger Elling schon immer! Dabei spielten Ballsportarten, ganz besonders Tennis, eine große Rolle. Seit dem 14. Lebensjahre ist der gebürtige Münsterländer in einem Tennisverein. Und nur zwei Jahre später, mit 16 Jahren, übernahm er bereits die ersten ehrenamtlichen Ämter und gab Tennisstunden.
Sport und Ehrenamt seit dem Jugendalter
Die Entscheidung, Sport auf Lehramt zu studieren, lag also nah und 1986 schloss Ludger Elling sein Staatsexamen als Sportlehrer ab. Doch derzeit gab es keine freien Lehrerstellen und durch Kontakte bot sich ihm eine Jobchance, die sein ganzes Leben lenken und verändern sollte.
In einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung ergab sich die Möglichkeit, ein paar Sportgruppen zu leiten. Die Anstellung war in Teilzeit und passte hervorragend mit der Gründung der eigenen Tennisschule zusammen.
„Ich konnte alle möglichen Sportarten lehren, Volleyball, Basketball, Tennis. Aber von Menschen mit Behinderung hatte ich null Ahnung“ sagt er rückblickend. Und damit wurde er ins kalte Wasser geworfen und bekam verschiedene Sportgruppen für Menschen mit einer geistigen oder schwerstmehrfachen Behinderung. Mit der Frage: „Was können die Menschen mit Behinderung eigentlich alles?“ ging er offen an die ersten Stunden heran und merkte schnell, dass fast alles ging, wenn man die Stärken und Vorlieben der Menschen kennt.
Ich konnte alle möglichen Sportarten lehren, Volleyball, Basketball, Tennis.
Aber von Menschen mit Behinderung hatte ich null Ahnung.
So brachte dem damals jungen Mann schon seine erste Station im echten Berufsleben die Ansicht , die sein ganzes Leben als Lehrer begleitet und geprägt hat: „Man darf nicht nur schauen, welche Defizite da sind, also was nicht geht. Sondern man muss die Stärken und Fähigkeiten rausfinden und dann schauen, was sonst noch verbessert werden kann. Die klassische „Rotstift – Einstellung“ sollte längst abgeschafft sein.“, resümiert er heute.
In der Ochtruper Werkstatt initiierte Ludger Elling eine Vereinsgründung, um Rehabilitationssport anzubieten und um noch mehr Sportaktivitäten zu etablieren. Und so beschäftigte er sich mit dem Vereinsrecht und den Regularien rund um den Rehabilitationssport. 1987 kam er dann zum ersten Mal mit dem BRSNW, damals noch BSNW, in Kontakt.
Kurze nach der Vereinsgründung meldete er sich zum Erwerb des Übungsleiterscheins für Rehasport an. Die vermittelten Inhalte waren für die Laienausbildung gedacht und somit für ihn als Sportlehrer, gerade Fächer wie Anatomie, mehr als bekannt. Er stellte einige kritische Fragen und fiel mit seinem Wissen auf. Der damalige Geschäftsführer des BSNW, Herbert Kaul, erkannte und schätzte die Qualitäten des jungen Mannes und lud Ludger Elling ein, Teil des Qualifizierungsteam zu werden. Das Angebot nahm er gerne an. Schon kurz darauf, bereits 1989, wurde er zudem Landeslehrwart des BSNW.
Ein Stuhl braucht immer mindestens drei Beine
Die gesamte Zeit über gab Ludger Elling Tennisstunden in seiner Tennisschule, arbeitete zusätzlich halbtags in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung und stand am Wochenende als Referent in Lehrgängen des BSNW zur Verfügung.
“Ein Stuhl braucht immer mindestens drei Beine“, scherzt Elling über seine vielen Tätigkeiten, mit denen er sich eine Existenz aufbaute.
Aufgrund seines Engagements und seiner kommunikativen Art gelang es ihm, ein großes Netzwerk im Sport zu schaffen. So kam auch der Kontakt zu einem Krankenhaus in Rheine zustande, das ein großes Gesundheitszentrum errichten wollte. Ludger Elling hatte viele Möglichkeiten seine Ideen umzusetzen und die Anstellung in Teilzeit ermöglichte es ihm, weiterhin in seiner Tennisschule aktiv zu sein, gleichzeitig aber auch das IGF -Institut zur Gesundheitsförderung- in Rheine aufzubauen und zu etablieren. Eine Erfolgsgeschichte begann. Der BSNW profitierte von dem Kontakt, denn viele Aus- und Fortbildungen fanden in Rheine statt. Durch die angebotenen Kurse, ob Orthopädie oder Herzsport, aber auch durch den Kontakt zu Ärzt*innen, boten sich optimale Hospitationsangebote für die Teilnehmenden. Von 1996 – 2008 war Ludger Elling in Rheine stellvertretende Leiter des IGF.
Lehrer, Leiter, Ehrenamt , Übungsleiter und Tennis
Zwischenzeitlich hatte er noch eine halbe Lehrerstelle an einer Schule in Bottrop angenommen. Dort unterrichtete er Englisch und Sport und kombinierte den klassischen Schulalltag mit den Kursen im IGF. „Das war eine der erfolgreichsten und spannendsten Zeiten in meinem gesamten Berufsleben. Ohne die Unterstützung meiner Familie, insbesondere meiner Frau, wäre dies aber gar nicht möglich gewesen. Ich hatte stets Rückhalt, auch wenn meine Wochen meist mehr als 40 Arbeitsstunden hatten.“
Anfang der 2000 Jahre, hatte Ludger Elling den ersten Kontakt zum Deutschen Behindertensportverband (DBS). Als Mitglied des Bundeslehrausschusses rund um Prof. Dr. Jürgen Innenmoser entwickelte Elling die Konzepte der Ausbildungen von Übungsleitungen mit und konnte seine Fachexpertise und jahrelange Erfahrung als Übungsleiter einfließen lassen. Als die Position des Bundeslehrwarts frei wurde, übernahm Elling diese ehrenamtliche Aufgabe, allerdings nur vorrübergehend bis zum DBS Verbandstag. Zumindest war so der Plan. „Wie das immer so ist bei der Verbandsarbeit, biste einmal drin, biste für immer drin“, lacht Elling heute zurückblickend, denn auf dem Verbandstag wurde er zum Vizepräsidenten des Bereichs Bildung und Lehre auf Bundesebene gewählt.
Wie das immer so ist bei der Verbandsarbeit, biste einmal drin, biste für immer drin.
Aus-, Fort- und Weiterbildung nahmen zunehmend Raum in der Arbeit des Deutschen Behindertensportverbandes e.V. und seiner Landesverbände ein. Um hierzu die notwendige Beratung und Unterstützung sicherzustellen, wurde die Idee einer Akademie für den Bereich Ausbildung im DBS in den verschiedenen Gremien des Verbandes diskutiert.
Es bedurfte aber vieler konstruktiven und auch kontroversen Diskussionsrunden und Abstimmungsgesprächen, bis es am 21. April 2006 endlich so weit war.
Ludger Elling erklärte sich nach langen Überlegungen bereit, die DBS-Akademie als Geschäftsführer hauptberuflich und in Vollzeit zu leiten. Ein neuer Abschnitt für den damals 50-jährigen begann, der für diese Aufgabe seine anderen Anstellungen, und damit auch die bisherige finanzielle Sicherheit, aufgab. „Die Herausforderung war verlockend, etwas ganz Neues aufzubauen und das in einem Umfeld, das ich so gut kenne. Aber auch das Risiko, dass die Idee schlichtweg nicht funktioniert und die vielen Arbeitsstunden, die diese Aufgabe mit sich bringt, waren im Hinterkopf.“
Eine weitere Erfolgsgeschichte
Es sollte eine weitere Erfolgsgeschichte werden, bis heute. Der Aufbau der DBS Akademie begann im heimischen Büro und wurde schnell größer. Heute finden jährlich rund 1000 Teilnehmer den Weg in die Lehrgänge der DBS Akademie
2016 gab Ludger Elling sein Amt als Vizepräsident des Bereichs Bildung und Lehre im DBS nach 14 Jahren ab und widmet sich bis heute als Geschäftsführer und Referent der DBS-Akademie der Qualifizierung von Übungsleitenden.
Im Januar 2022 geht Ludger Elling in den verdienten Ruhestand. Was sind seine Vorsätze ?
„Ich bin jetzt 66 und möchte einfach kürzertreten. Vor allem möchte ich das selbstbestimmt machen und nicht, weil mich z.B. meine Gesundheit dazu zwingt. Ich möchte die Verantwortung abgeben, denn sie gehört jetzt in jüngere Hände. Ich bin einfach ein Vereinsmensch und mit diesem klassischen Vereinsdenken, ohne Gewinnorientierung, ecke ich manchmal auch an. Aber da bin ich einfach Old School.“, erklärt Elling seine Pläne für seinen Ruhestand.
Wenn Ludger Elling nun in Rente geht, hat er große Teile seines beruflichen (und ehrenamtlichen) Lebens dem Sport von und für Menschen mit Behinderung gewidmet. Seine prägendste Erfahrung hat er kurz nach dem Studium gemacht und ein „Andenken“ daran trägt er bis heute davon, nämlich eine Narbe auf dem linken Handrücken.
„Das ist eine Bisswunde von einem Besucher der Behindertenwerkstatt in Ochtrup. Er ist mir schon am ersten Tag aufgefallen, denn er hat in meiner ersten Sportstunde zwei große Pezzibälle zerbissen. Das war einfach sein Ding, in Sachen zu beißen, besonders wenn sie weich und aus Gummi waren. Glücklich konnte man den jungen Mann mit Downsyndrom vor allem mit Bewegung machen.
Vor jeder Stunde habe ich eine dicke Matte in die Turnhalle gelegt, und er sprang 10 Minuten lang darauf rum, rollte sich über die Matte und rannte dutzende Male über sie drüber. Danach war er fix und fertig, aber total aufmerksam und ausgeglichen.
Nach den Weihnachtsferien kam der junge Mann voller Energie und Freude in die erste Sportstunde gerannt, kam freudestrahlend auf mich zu und biss mir einfach in die Hand. Ich hatte eine blutende Wunde und es tat höllisch weh – am liebsten hätte ich dem Kerl eine verpasst. Aber ich wollte vielmehr wissen, warum er das getan hat. Seine Mutter kam nach der Stunde zu mir und erzählte, dass sie die viele Energie des jungen Mannes über die Weihnachtszeit kaum bändigen konnte. Teilweise hat er dann auch viel Fernsehen geguckt, alle Teile von „Sissi“ zum Beispiel. Und da wurde mir einiges klar. Er hat in den alten Filmen den Handkuss als Form der Zuneigung gesehen und ihn mit seinem Faible fürs Beißen kombiniert. Es war der erste, schmerzhafteste und gleichzeitig schönste Handkuss, den ich jemals bekommen habe!“.
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Als Gesellschafter der DBS Akademie, möchte sich der BRSNW herzlich bei Ludger für die Aufbauarbeit und die Etablierung der Akademie bedanken. Über Jahrzehnte hat er das Bild der Qualifizierung auf Bundes- und Landesebene und damit auch die Arbeit vieler Übungsleitungen geprägt. Auch wenn Ludger sich nun als Geschäftsführer in die Rente verabschiedet, hoffen wir, dass er auch weiterhin seine Expertise zur Verfügung stellt.
Für uns wünschen wir, dass er seine ehrenamtliche Tätigkeit als stellv. Vorsitzender des BRSNW noch viele Jahre so engagiert wie bisher ausübt und uns weiterhin dabei hilft, die Menschen mit Behinderung im Sport zu unterstützen und zu begleiten.