Michalis Stergiopoulos, der neue Trainer der Damen-Rollstuhlbasketball Auswahlmannschaft des BRSNW im Interview

Wir haben mit dem neuen Trainer der Damen-Rollstuhlbasketball Auswahlmannschaft des BRSNW ein Interview geführt und freuen uns, Michalis Stergiopoulos begrüßen zu dürfen.

© Michalis Stergiopoulos

Erzählen Sie uns doch ein wenig von Ihrer Sportart und was zeichnet diese für Sie im Besonderen aus?

Rollstuhlbasketball ist die wohl inklusivste Sportart der Welt. Hier spielen Menschen mit und ohne Behinderung zusammen... Frauen mit Männer ... Jung mit Alt. Eine so breite Mischung von Menschen findet man sonst - insbesondere im Spitzensport und international - nirgendwo.
Aber auch im Breitensport spielt die Inklusion eine wichtige Rolle. Menschen ohne Behinderung bspw. kommen so wortwörtlich "spielerisch" in Kontakt mit Menschen mit Behinderung und umgekehrt. Eine ideale Plattform, um Vorurteile und Berührungsängste aus dem Weg zu räumen. Im Vordergrund steht das gleiche Interesse, das Basketballspiel. Und das verbindet, überwindet mögliche Hindernisse und schafft Verständnis weit über den Sport hinaus.
So ging es zumindest mir, als ich 1998 zum ersten Mal im Rollstuhl saß und endlich wieder aktiv Basketball spielen konnte. (Hintergrund: aufgrund von zahlreichen Kreuzbandrissen im linken Knie war es mir bis dahin nicht mehr möglich gewesen, meiner Leidenschaft "Basketball" aktiv nachzugehen).
Rollstuhlbasketball hat im Grunde die gleichen Regeln wie der "Fußgänger"-Basketball, d.h. Freiwürfe, 2-Pkt.- und 3-Pkt.-Würfe, Fouls und sogar Schrittfehler. Auch wird Rollstuhlbasketball auf dem gleichen Feld und mit gleicher Korbhöhe gespielt. Das ist wirklich eine neue Herausforderung. Schließlich muss man im Sitzen werfen und kann dafür - entgegen dem Fußgänger-Basketball, wo man die Wurfkraft insbesondere aus den Beinen holt - nur seine Oberkörper nutzen.
Ebenfalls eine Herausforderung ist der Umgang mit dem zweiten Sportgerät. Neben dem Ball ist nämlich der Rollstuhl als Sportgerät zu sehen und zu bedienen. Ähnlich wie der Reiter sein Pferd hat oder der Mountainbiker sein Rad. Nur haben wir neben dem "Rad" noch den Ball zu jonglieren. 
Auch taktisch unterscheidet sich das Spiel im Rollstuhl von dem der Fußgänger. Einerseits aufgrund der Komplexität des Zusammenspiels von Ball und Rollstuhl, andererseits aber auch aufgrund der zum Teil sehr unterschiedlichen Beeinträchtigungen der Spieler. Jeder Spieler muss genau wissen, wie er jeden seiner Mitspieler richtig in Szene setzen kann. Die unterschiedliche Athletik, die unterschiedliche Beweglich- und Gelenkigkeit spielen dabei eine ganz entscheidende Rolle. Spieler mit einer eingeschränkten Handfunktion bspw. können den Ball auf dieser Hand nur schwer fangen und weiterspielen. Das muss ich wissen, um das Spiel schnell zu halten. Also spiele ich diesen Mitspieler am besten auf der anderen Hand an. Eingeschränktes Sehvermögen, geringe Stabilität oder erhöhte Steifigkeit von Gelenken oder Gliedern sind weitere "Behinderungen", die unterschiedlich Einsatzmöglichkeiten zulassen. Dabei findet man jedoch immer (!) eine geeignete und wichtige Rolle für jeden Spieler. Genau das ist Aufgabe des Trainers und der Spieler als Team. Aus der Summe aller unterschiedlicher Möglichkeiten die beste Teamleistung zu formen.

Was wünschen Sie sich perspektivisch für Ihre Arbeit?

Ich würde mich freuen, wenn wir dauerhaft als BRSNW eine Basis für den Ausbau von talentierten Spielerinnen bieten. Sei es über regelmäßige Lehrgänge oder Trainingslager, über die Teilnahme an oder das Ausrichten von Turnieren oder aber auch über finanzielle Unterstützung. Über ein verlässliches Angebot lassen sich meines Erachtens langfristig auch sehr junge Talente zu Spitzenspielerinnen entwickeln. Und damit auch als Repräsentantinnen für das Land NRW.
Ich sehe meinen Job darin, dies über die Weitergabe meiner mittlerweile fast 40-jährigen Basketballerfahrung - davon deutlich mehr als 20 Jahre im Rollstuhl - zu unterstützen. Dabei durfte ich neben der aktiven Teilnahme an vielen Pokal- und Deutsche Meisterschafts-Spielen auch international tätig werden. Viele Male als Vereinsspieler, aber von 2003 bis 2015 auch als Spieler der griechischen Nationalmannschaft. Höhepunkt dabei war sicherlich die Teilnahme an den Paralympics in Athen 2004. Aber auch die Zeit in der Regionalliga oder 2. Bundesliga haben meine Spielweise geprägt.

Was ist Ihre persönliche Motivation und treibt Sie an?

Ich bin einfach verrückt nach Basketball; sich zu bewegen und spielerisch sich mit anderen zu messen. Dabei gehört der sichere Umgang mit den Sportgeräten (Ball, Rollstuhl) genauso dazu, wie die Taktik UND die Zusammengehörigkeit zu einer Mannschaft. Mittlerweile freue ich mich fast mehr darüber, einen guten Pass zu spielen oder einen guten Block zu stellen, als selbst einen Korb zu machen.
Als Trainer freue ich mich über jeden Fortschritt meiner Spieler/innen und wenn taktische Ideen erfolgreich umgesetzt werden. Es macht mich stolz, wenn Spieler/innen sich Rat bei mir holen. Und glücklich, wenn ich ein Teil meiner Begeisterung für diesen Sport weitervermitteln konnte.

Alle interessierten Spieler*innen, können sich gerne direkt bei „Stergi“ unter rollstuhlbasketball-damen@brsnw.de melden.