Von Den Haag nach Düsseldorf - Düsseldorf ist Gastgeber der Invictus Games 2023

2023 wird Düsseldorf der Austragungort der nächsten INVICTUS GAMES 2023 sein. Noch ein Grund zu feiern ist das 70-jährige Jubiläum des Behinderten- und Rehabilitationssportverbandes Nordrhein-Westfalen (BRSNW) e.V.. Ein Jubiläum, an dem die „Wurzeln“ des modernen Sports von Menschen mit Behinderung, der „Versehrtensport“, in seiner heutigen modernen Form, den „Invictus Games“ wieder nach Nordrhein-Westfalen zurückkehren wird.

Vom 16. - 22. April fanden die INVICTUS GAMES in Den Haag, Niederlanden, statt. Eigentlich schon für 2020 geplant, musste die Veranstaltung immer wieder verschoben werden. Bei dem internationalen Sportevent traten etwa 500 verletzte und erkrankte Soldat*innen aus aller Welt im sportlichen Wettkampf gegeneinander an. Bei strahlend blauem Himmel  trafen die Athlet*innen in den neun Sportarten Bogenschießen, Kraftdreikampf, Leichtathletik, Radsport, Rollstuhl-Basketball, Rollstuhl-Rugby, Indoor-Rudern, Schwimmen, Sitzvolleyball aufeinander. Die INVICTUS GAMES sind in vielerlei Hinsicht eine besondere Sportveranstaltung – sie rücken Menschen, Teamgeist und Lebenswillen in den Mittelpunkt, nicht vorrangig Wettbewerb und Leistung. Gefeiert werden die Athlet*innen, die sich trotz großer Herausforderungen einen neuen Platz im Leben und neue Perspektiven erarbeitet haben. Dabei sind die Familien und Freunde der Athlet*innen fester Bestandteil der Invictus Games.

Die INVICTUS GAMES wurden 2014 von Harry, Duke of Sussex, ins Leben gerufen, der zugleich Patron der Invictus Games Foundation ist. Trotz seiner Bekanntheit gab sich der jüngere Bruder des britischen Thronfolgers Wiliam sehr nahbar, vor allem für die Athlet*innen. In den Halbzeitpausen der Mannschaftswettbewerbe motivierte er das zurückliegende Team, er hörte zu, suchte die Gespräche und den persönlichen Kontakt.  Er war über den gesamten Veranstaltungszeitraum vor Ort und mischte sich ohne Sicherheitsleute unter Sportler*innen, Fans und Familien und überzeugte mit mitreißenden Reden und ganz viel Menschlichkeit.

Welchen Stellenwert Kameradschaft bei diesem Event hat wurde deutlich, als das Team der Ukraine nicht genügend Spieler für die Sitz-Volleyball-Mannschaft melden konnte. Denn sofort sprangen deutsche, US-amerikanische und italienische Athlet*innen kurzerhand ein. Das Publikum feierte begeistert jeden Punkt, den das gemischte Team erkämpfte.

Die Organisation des Sportwettbewerbe und auch die Sportstätten selbst waren hervorragend, einzig die geringe Zuschauerzahl war bedauernswert- vor allem in einem so sportbegeisterten Land wie den Niederlanden.  Zurückzuführen könnte man das ggfls. auf die vergleichsweise hohen Preisen für die Eintrittskarten zu den einzelnen Sportevents. Darüber wird man im nächsten Jahr in Düsseldorf sicherlich zeitnah nachdenken, denn  der Countdown wurde bereits eingeläutet, als die Invictus-Flagge in einem dreitätigen Fahrradkonvoi  von Den Haag in die Landeshauptstadt gebracht wurde. Am Montagnachmittag überreichte die Kolonne die Flagge vor dem Rathaus dem Düsseldorfer Oberbürgermeister Stephan Keller.

„Zusammenhalt, Respekt und das überzeugte Eintreten für Werte - dafür stehen die Spiele. Gemeinsam möchten wir den Gedanken ‚a home for respect‘ von Düsseldorf nach ganz Deutschland tragen“, sagte Keller. Brigadegeneral a.D. Michael Bartscher formuliert einen konkreten Wunsch für die Zeit nach den Spielen 2023: "Die INVICTUS GAMES zeigen, dass man auch nach einer Verwundung nicht allein ist. Die Teilnahme an den Spielen ist eine besondere Wertschätzung durch die Bundeswehr. Ich wünsche mir, dass sich diese Wertschätzung auch auf unsere Gesellschaft überträgt und die Invictus Games in Düsseldorf hierzu einen wertvollen Beitrag leisten werden.“

Die INVICTUS GAMES finden vom 9. bis zum 16. September 2023 statt und fallen damit auch in den Zeitrahmen der REHACARE 2023 in der Messe Düsseldorf. Nach zwei langen Jahren Pause ist der Behinderten- und Rehabilitationssportverband wieder mit einem Sportcenter auf der internationalen Leitmesse für Rehabilitation in diesem Jahr wieder vertreten.

Es ist zu hoffen, dass sich die räumliche Nähe als Vorteil erweist, und Besucher der INVICTUS GAMES zum Ausprobieren des Behindertensports in das BRSNW Sportcenter kommen und andersherum die Athlet*innen zeigen können, welche Leistungen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen möglich sind.

Wie eng beide Veranstaltungen mit dem Behinderten- und Rehabilitationssportverband NRW verbunden sind wird klar, wenn man sich die Wurzeln des Behindertensport in Deutschland anschaut.  Bereits im 1. Weltkrieg und auch schon davor wurden auf Initiative namhafter Mediziner Leibesübungen für Menschen mit Behinderung, damals im allgemeinen Sprachgebrauch noch als „Versehrte“ bezeichnet, eingeführt. Die körperliche Aktivität diente der Verbesserung der physischen und psychischen Situation der Patienten, die zum überwiegenden Teil an Kriegsverletzungen litten. Heute haben Bewegung, Spiel und Sport einen hohen Stellenwert in der Prävention und der Rehabilitation von Menschen und spielt ebenso eine wichtige Rolle bei der Teilhabe am Leben in  der Gesellschaft. Sport verbindet Menschen über gesellschaftliche Grenzen hinweg.

In Nordrhein-Westfalen begann diese Entwicklung des Sports von Menschen mit Behinderung 1952 mit der Gründung der Arbeitsgemeinschaft Versehrtensport NRW e.V., die 1973 ordentliches Mitglied im Landessportbund NRW wurde und die 1978 ihren Namen in Behinderten- Sportverband NRW (BSNW) e.V. änderte. Mit dieser Namensänderung zollte man der bis dato vielfältigen Entwicklung des Sports von Menschen mit Behinderung Respekt, bei der es nicht mehr allein um Kriegsversehrte ging. So bildet der Verband z.B. seit 1980 Übungsleitungen aus, um den Sport von Menschen mit einer geistigen Behinderung zu fördern und weiter auszubauen.

Neben der Eröffnung der INVICTUS GAMES 2023 in Düsseldorf gibt es also auch das 70-jährige Jubiläum des Behinderten- und Rehabilitationssportverbandes Nordrhein-Westfalen (BRSNW) e.V. im Jahre 2023 zu feiern. Ein Jubiläum, an dem die „Wurzeln“ des modernen Sports von Menschen mit Behinderung, der „Versehrtensport“, in seiner heutigen modernen Form, den „Invictus Games“ wieder nach Nordrhein-Westfalen zurückkehren wird